KI im Training: Hype oder echte Hilfe? Ein ehrlicher Praxistest
Gefühlt vergeht keine Woche ohne eine neue KI-Lösung, die verspricht, Bildung zu revolutionieren. Die Realität sieht meistens anders aus: generische Inhalte, fragwürdige Didaktik und am Ende sitzt du doch wieder selbst da und formulierst jede Frage von Hand.
Ich wollte wissen, wie weit KI im Trainingskontext heute wirklich ist, nicht in der Theorie, sondern in der täglichen Arbeit eines Trainers.
Das Experiment
Ausgangsmaterial: Ein 12-seitiges PDF zu DSGVO-Grundlagen, wie es in der Compliance-Schulung tausendfach verwendet wird. Mein Ziel: Daraus ein vollständiges Quiz mit 15 Fragen erstellen. Einmal komplett manuell, einmal mit KI-Unterstützung.
Runde 1: Manuell (der klassische Weg)
Ich öffne das PDF, lese mich ein, markiere Kernaussagen, formuliere Fragen, überlege Distraktoren (falsche Antwortoptionen, die plausibel klingen müssen), prüfe auf Eindeutigkeit.
Ergebnis: 15 Fragen in 2 Stunden und 10 Minuten. Qualität: gut, aber ich merke, dass meine Distraktoren ab Frage 10 repetitiv werden. Das ist ein bekanntes Problem. Gute falsche Antworten zu schreiben ist überraschend schwer.
Runde 2: ChatGPT / generische KI
Prompt: "Erstelle 15 Quiz-Fragen zur DSGVO basierend auf folgendem Text." Das Ergebnis kommt in 30 Sekunden. Und es ist... mittelmäßig. Einige Fragen sind zu trivial ("Was bedeutet DSGVO?"), andere zu vage. Distraktoren sind oft offensichtlich falsch. Drei Fragen beziehen sich auf Inhalte, die gar nicht im PDF stehen — die KI halluziniert.
Nachbearbeitungszeit: 55 Minuten. Fast so lang wie wenn ich alles selbst gemacht hätte.
Runde 3: Spezialisierte Quiz-KI
Hier wird es interessant. Spezialisierte Tools — also KI, die nicht als Allzweck-Chatbot gebaut ist, sondern explizit für die Quiz-Erstellung trainiert wurde — gehen das Problem anders an:
- Sie analysieren das Quellmaterial strukturiert
- Sie erzeugen Fragen auf verschiedenen Bloom-Taxonomie-Stufen
- Distraktoren basieren auf typischen Missverständnissen
- Die Fragen bleiben im Rahmen des tatsächlichen Inhalts
Ich habe das gleiche PDF hochgeladen und bekam 15 Fragen in unter einer Minute. Qualität: deutlich besser als ChatGPT. Zwei Fragen musste ich leicht umformulieren, eine habe ich ausgetauscht.
Nachbearbeitungszeit: 12 Minuten.
Die ehrliche Bilanz
| Methode | Zeitaufwand | Qualität (1-10) |
|---|---|---|
| Komplett manuell | 130 Min | 8/10 |
| ChatGPT + Nacharbeit | 56 Min | 6/10 |
| Spezialisierte Quiz-KI | 13 Min | 8/10 |
KI ersetzt den Trainer nicht. Aber die richtige KI spart 90 % der Erstellungszeit bei gleicher Qualität. Der Schlüssel ist nicht "KI ja oder nein", sondern welche KI.
Worauf du bei Quiz-KI achten solltest
- Quelltreue: Generiert die KI Fragen ausschließlich aus deinem Material? Oder erfindet sie Inhalte dazu? (Halluzination ist bei generischen LLMs das Hauptproblem.)
- Didaktische Tiefe: Gibt es nur Wissensfragen ("Was ist X?") oder auch Verständnisfragen ("Warum gilt X in Situation Y?")?
- Fragetypen-Vielfalt: Multiple Choice ist nicht alles. Lückentext, Richtig/Falsch, Skala-Fragen, je diverser, desto besser die Lernwirkung.
- Nachbearbeitbarkeit: Kannst du einzelne Fragen anpassen, ohne alles neu generieren zu müssen?
- Datenschutz: Wo werden deine Schulungsunterlagen verarbeitet? Bei US-Cloud-Diensten ist das für Compliance-Inhalte ein Problem.
Mein Fazit nach dem Test
Ich nutze jetzt eine Kombination: KI generiert den ersten Entwurf, ich kuratiere und passe an. Das spart mir pro Schulung ein bis zwei Stunden — Zeit, die ich in bessere Moderation und Teilnehmerbetreuung investiere.
Genau hier setze ich auch mit meinem ganz eigenen Tool an: Insightquiz. Eine eigens erschaffene professionelle Lösung für technologie basierte Schulungen, inkl. eines DSGVO konformen KI Generators auf unterschiedlichen Ebenen.
Aber egal welches Tool du wählst: Probier es aus. Die Zeit, die du sparst, ist real.